Pflegegeld bei der Pflegekasse richtig beantragen

Ein Pflegebedürftiger, der in eine der Pflegestufen 0 bis III eingestuft ist, kann sich entscheiden, ob er Pflegesachleistungen oder Pflegegeld erhalten möchte.
Das Pflegegeld wird direkt an den Pflegebedürftigen ausgezahlt, damit er damit selbst beschaffte Hilfen bezahlen kann. Die Verwendung des Pflegegeldes muss der Pflegebedürftige der Kasse nicht nachweisen. Allerdings muss er der Pflegekasse nachweisen, dass seine Pflege sichergestellt ist. Die Zeiträume, innerhalb derer die Kasse einen solchen Nachweis wünscht, sind von der jeweiligen Pflegestufe abhängig.

Pflegegeld erhalten Sie nur auf Antrag

Wenn Sie bei Ihren täglichen Verrichtungen, wie etwa Waschen, Ankleiden oder Aufstehen, Hilfe benötigen, können Sie einen Antrag auf Einstufung in eine Pflegestufe stellen. Dazu haben Sie zwei Möglichkeiten:

  1. Per Telefon
    Sie rufen bei Ihrer Pflegekasse, die ihren Sitz bei Ihrer Krankenkasse hat, an und teilen mit, dass Sie einen Antrag auf Einstufung in eine Pflegestufe stellen möchten. Der Sachbearbeiter der Pflegekasse wird Ihnen ein Antragsformular zuschicken, das Sie der Kasse ausgefüllt zurück senden. In diesem Formular werden Sie gefragt, ob Sie Pflegesachleistungen, Pflegegeld oder eine Kombination aus beidem beanspruchen möchten. Hier kreuzen Sie „Pflegegeld“ an. Sie müssen in diesem Fall auch keine Angabe zur Standardfrage auf dem Formular nach einem Pflegedienst machen. Als Antragsdatum gilt der Tag Ihres Anrufes bei Ihrem Sachbearbeiter. Das ist wichtig, weil die Leistungen der Pflegekasse ab dem Tag der Antragstellung an Sie gezahlt werden.
  2. Formlos schriftlich
    Sie senden der Kasse einen Brief, in dem Sie „formlos“ mitteilen, dass Sie einen Antrag auf Pflegeeinstufung stellen. „Formlos“ heißt, dass Sie für den Antrag kein spezielles Formular nutzen müssen. Nachdem Ihr Sachbearbeiter Ihr Schreiben erhalten hat, sendet er Ihnen ebenfalls das unter 1. beschriebene Formular zu. Allerdings ist das Datum Ihrer Antragstellung erst der Tag, an dem Ihr Brief bei Ihrer Pflegekasse eingeht. Das heißt, etwa ein bis zwei Tage nach Ihrem Einwurf in den Briefkasten.

Was passiert nach dem Pflege-Antrag?

Nachdem Sie Ihren Antrag gestellt haben, beauftragt Ihre Pflegekasse entweder den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) oder die Firma Medicproof mit der Begutachtung Ihres Hilfebedarfs. Der MDK kommt zu Versicherten der gesetzlichen Kranken- und Pflegekasse, Medicproof zu den privat Versicherten. Der für Ihre Kasse zuständige Dienst teilt Ihnen einen Termin mit, an dem ein Pflegegutachter zu Ihnen nach Hause kommt, um Ihren Pflegebedarf einzuschätzen. Der Gutachter ermittelt in einem Gespräch mit Ihnen, welchen Hilfebedarf Sie haben. Womöglich lässt er sich von Ihnen auch zeigen, ob bzw. wie weit Sie bestimmte Verrichtungen noch ausführen können. So stellt er fest, ob Sie die Voraussetzungen für eine Pflegestufe und wenn ja, für welche, erfüllen. Welche Voraussetzungen das sind, können Sie unter dem folgenden Link nachlesen: Pflegestufen
Tipp: Der Gutachter wird Sie fragen, ob Sie eine Kopie des Gutachtens wünschen. Sagen Sie in jedem Fall „ja“. Zum einen können Sie anhand des Gutachtens nachvollziehen, welchen Hilfebedarf der Gutachter bei Ihnen berücksichtigt hat. Zum anderen hilft Ihnen das Gutachten bei der Begründung eines eventuell notwendigen Widerspruchs.

Sie erhalten einen Bescheid

Nach der Begutachtung teilt der Gutachter der Pflegekasse mit, welche Pflegestufe er aufgrund seiner Erkenntnisse empfiehlt. Die Pflegekasse teilt Ihnen das Ergebnis schriftlich, in einem so genannten Bescheid, mit. In diesem Bescheid steht entweder, welche Pflegestufe Sie haben und welche Leistungen Ihnen dadurch zustehen. Oder Sie erhalten die Mitteilung, dass Ihr Hilfebedarf für eine Pflegestufe nicht ausreicht.
Wenn Sie keine Pflegestufe erhalten, ist handelt es sich um einen so genannten „beschwerenden Bescheid“. Gegen diesen Bescheid können Sie innerhalb von einem Monat Widerspruch bei Ihrer Pflegekasse einlegen. Im Widerspruchsverfahren wird das vorliegende Gutachten noch einmal überprüft.

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Heike Bohnes

Altenpflegerin, Diplom-Sozialarbeiterin, Pflegesachverständige, Pflegeberaterin nach § 7 a SGB XI und Eigentümerin von careKonzept Sachverständigenbüro für Pflege & Pflegeberatung. Spezialisiert auf die Beratung in den Bereichen Pflegestufen bzw. Pflegeeinstufung, Demenz, Pflegebedürftigkeit, Wohnungsanpassung, Hilfsmitteleinsatz und -versorgung, sowie Organisation der häuslichen und vollstationären Pflege.

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1 Antwort

  1. 5. Februar 2014

    […] Eine von mir erstellte, kurze und übersichtliche Anleitung, wie Sie das Pflegegeld bei Ihrer Pflegekasse beantragen, finden Sie unter dem folgenden Link: http://www.wohnen-im-alter.de […]

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