Fasching mit Demenz

Faschingstraditionen können Spaß machen oder überfordern (Foto: WGfS)

Worauf Angehörige beim Feiern mit demenziell Veränderten achten sollten

Lärmende Kinder, bunte Verkleidungen und laute Faschings-Umzüge sind für Menschen mit Demenz schnell anstrengend. Daher gilt es vor der Faschingsfeier einige Vorkehrungen zu treffen, damit alle Beteiligten Spaß haben.

Egal ob jung oder alt, wenn zu Fasching die Narren los sind, kennt die Fröhlichkeit keine Grenzen. Wer die fünfte Jahreszeit allerdings mit demenzerkrankten Verwandten feiern möchte, sollte es ruhiger angehen lassen. Im Trubel bunter Straßenfeste fühlen sich Menschen mit Demenz schnell überfordert. „Weniger ist oft mehr: Kaffee, Krapfen, Karnevalslieder und dezente Dekoration, das reicht vollkommen aus“, erklärt Rosemarie Amos-Ziegler, Einrichtungsleiterin der WGfS (Wohngemeinschaft für Senioren)

Faschingsfeier in Tagesablauf integrieren

Da Strukturen und Rituale Menschen mit Demenz helfen, sich zu orientieren, findet die Faschingsfeier im Haus Albblick am frühen Nachmittag zwischen Mittagsschlaf und Abendbrot statt, wenn ohnehin Kaffee und Kuchen auf dem Programm stehen. So bleibt der Tagesrhythmus erhalten. Zuvor helfen demenziell veränderte Bewohner allerdings die Räumlichkeiten zu schmücken: Gemeinsam mit den Pflegekräften basteln sie bunte Masken, falten Servietten und decken den Tisch. „Die Vorbereitungen machen den Senioren Spaß, sie erinnern sich, erzählen Geschichten von früher und der veränderte Raum wirkt weniger fremd“, berichtet Amos-Ziegler. Oft nehme das Dekorieren mehr Zeit in Anspruch als die Feier an sich.

Erschöpfung tritt bei Menschen mit Demenz in der Regel schneller ein, als bei anderen Erwachsenen. „Bemühen sich Betroffene stark, den Gesprächen zu folgen, fühlen sie sich oft schon nach einer halben Stunde erschöpft“, weiß die Expertin. Grundsätzlich sei es wichtig, dass sich Menschen mit Demenz jederzeit zurückziehen können. Benötigen diese eine Auszeit oder wollen die Feier verlassen, sollten Angehörige diese Wünsche respektieren.

„Lumpenlieder“ als Gedächtnisstütze

Ob sich Betroffene in einer lauten geselligen Runde wohlfühlen, hängt ohnehin individuell vom Menschen ab und kommt auf die Tagesform an. Manche Senioren genießen die ausgelassene Atmosphäre, andere fühlen sich nach kurzer Zeit überfordert. Gerade Ironie oder Doppeldeutigkeiten von Büttenreden und anderer Humoreinlagen können demenziell Veränderte aufgrund kognitiver Einschränkungen nur selten entschlüsseln. Hingegen regen bekannte Faschingsschlager wie „Hände zum Himmel“ oder „Da steht ein Pferd auf dem Flur“ das Gedächtnis an und laden zum Mitsingen, Schunkeln sowie Tanzen ein.

„Unsere Bewohner lieben es, das Tanzbein zu schwingen“, berichtet Amos-Ziegler aus der Praxis. Rollstühle oder Rollatoren seien dabei kein Hindernisgrund. Denn gerade Demenzerkrankte genießen die menschliche Nähe auf der Tanzfläche. Wenn sie sich zugehörig und emotional eingebunden fühlen, dann können sie das bunte Treiben zu Fasching unbeschwert genießen. „Die Wirkung von Spaß und Freude sollte man nicht unterschätzen“, hebt die Einrichtungsleiterin die therapeutische Wirkung solcher besonderen Anlässe hervor.

Leonhard Fromm

Leonhard Fromm, Jg. 1963, ist freier Journalist in Schorndorf. Der katholische Theologe war viele Jahre Wirtschaftsredakteur diverser Tageszeitungen. Seit 2002 ist der zweifache Vater mit einem Pressebüro selbstständig. www.der-medienberater.de

Das könnte Dich auch interessieren …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.