Rechtzeitig zum Urologen: Inkontinenz beim Mann

Wenn die lang ersehnte Rente endlich naht, beginnt für viele Menschen ein goldener Lebensabschnitt. Doch vielen Senioren machen auch die altersbedingten Gebrechen Probleme. Besonders unangenehme oder tabuisierte Krankheiten werden zu einer großen Belastung für die Betroffenen. Harninkontinenz, im Volksmund auch Blasenschwäche genannt, ist für viele ältere Männer ein leidiges Thema: Prozentual gesehen leiden mehr Frauen als Männer darunter, allerdings sind in Deutschland insgesamt mindestens fünf Millionen Menschen von Harninkontinenz betroffen. Viele meiden Aktivitäten mit Freunden, ziehen sich zurück. Dabei ist Harninkontinenz eine Krankheit, die auch bei Männern heilbar ist.

Harninkontinenz kann viele Krankheitsursachen haben

Dr. Joerg Neymeyer, Facharzt für Urologie, erklärt die drei Stufen der Harninkontinenz: Die leichte, die sogenannte Belastungsinkontinenz, bei der nur tröpfchenweise und in der Regel bei körperlicher Anstrengung Urin verloren wird, eine mittelschwere, bei der oft und auch strahlweise Urin unfreiwillig gelassen wird und die schwere Form der Inkontinenz, die den völligen Defekt des Harnschließmuskels beinhaltet.

Die Ursachen für eine Harninkontinenz können unterschiedlich sein: altersbedingte Erschlaffung der Muskulatur, nervale Versorgungsprobleme, Nervenschäden oder -reizungen, beispielsweise nach Operationen, neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Parkinson- und Alzheimer-Krankheit, manche Krankheiten wie ein nicht ausreichend behandelter Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) oder ständige Reizungen der Blase, zum Beispiel durch Blasensteine oder Harnwegsinfekte. Auch kann ein Abflusshindernis am Blasenausgang, zum Beispiel eine vergrößerte Prostata oder eine Harnröhrenverengung, schuld sein. Unter einer (gutartigen) Prostatavergrößerung leidet jeder dritte Mann.

Individuelle Therapiemöglichkeiten versprechen Heilung

Heutzutage gibt es vielfältige Therapiemöglichkeiten bei der Harninkontinenz. Für jeden Patienten kann der Arzt eine individuelle Therapieform finden. Für den ersten Besuch beim Urologen empfiehlt es sich, bereits vorab ein Trink- und Toilettentagebuch zu führen, damit der Arzt einen ersten Überblick erhält. Die körperliche Untersuchung schließt üblicherweise eine Untersuchung der äußeren Genitalien und des Enddarms mit ein. So ergeben sich eventuell schon Hinweise auf bestimmte Ursachen wie Fisteln, den Spannungszustand der Schließmuskeln oder eine Vergrößerung der Prostata.

Beckenbodentraining, Diät oder Operation

Eine effektive Therapiemöglichkeit bildet das Beckenbodentraining. Geeignete Ansprechpartner sind Physiotherapeuten, Fitnessstudios, Sportvereine und Volkshochschulen. Wer übergewichtig ist und Pfunde abbaut, kann erreichen, dass sich die Symptome der Inkontinenz bessern. Eventuell bewährt sich hier auch ein Blasentraining.  Beim „Toilettentraining“ mit sinnvoll angepassten Trinkmengen, einer geeigneten Getränkeauswahl und festen „Toilettenzeiten“  lernen Betroffene kleine Tricks, wie sich ein starker Harndrang mildern und das Wasserlassen hinauszögern lässt. Als letzte Möglichkeit kann man eine Operation in Erwägung ziehen. Zum Beispiel einen künstlichen Harnschließmuskel: Hier wird eine Art Manschette um die Harnröhre angebracht, welche mit Flüssigkeit gefüllt ist und die Harnröhre durch Außendruck verschließt. Über eine Pumpe im Hodensack wird Flüssigkeit aus der Manschette in einen ballonartigen Speicher gepumpt. Der Urin kann so durch die Harnröhre abfließen. Die Flüssigkeit läuft danach von allein wieder aus dem Ballon in die Manschette zurück. Die Harnröhre ist wieder „zu“.  Eine Alternative zum künstlichen Schließmuskel bei schlechter Restfunktion des eigenen Schließmuskels stellen sind sogenannte adjustierbare Schlingen. Mit diesen Schlingen wird der Schließmuskel gestärkt und funktioniert wieder.

 

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