Wenn der Partner pflegebedürftig wird…

Beziehungen können sich im Laufe der Zeit ändern: man wird älter, bekommt Kinder, trennt und findet sich wieder. Doch wenn der Partner plötzlich pflegebedürftig wird, ist das ein ganz besonderer Wandel für die Beziehung. War ER vorher der starke Versorger, ist er nun vielleicht auf Hilfe beim Essen angewiesen. Und war SIE immer die liebevolle Mutter, ist sie nun eventuell oft abweisend und kalt. Langsam fortschreitende Erkrankungen, wie etwa auch die altersbedingte Demenz, sind für viele Menschen schwer zu akzeptieren. Oft werden die ungewollten Veränderungen zunächst verdrängt: Man lehnt professionelle Hilfe von außen ab und möchte sich selbst um seinen Partner kümmern.

Die neue Situation wirft viele Fragen auf

Doch gerade diese Entscheidung ist nicht einfach und wirft viele Fragen auf: Wer schaut nach meinem Partner, wenn ich einmal Besorgungen machen muss? Wer hilft jetzt bei Reparaturen im Haus, den Finanzen oder bei Versicherungsfragen? Vor allem die neue Rollenverteilung ist für viele Angehörige eine enorme Belastung. Sie müssen sich neuen Aufgaben zuwenden und haben zusätzliche Arbeit mit der Pflege des Partners. Da diese Hilfe nicht immer alleine geleistet werden kann, beziehen Ehepartner beispielsweise oft ihre erwachsenen Kinder mit ein. Sie hoffen auf Unterstützung, was sich oft als schwierig erweist. Dann, wenn Wünsche etwa eine zu große Belastung für manche Kinder darstellen oder diese weit sehr weg wohnen. Hier sollte man sich prinzipiell als Familie, zusammen mit dem Pflegebedürftigen, an einen Tisch setzen und überlegen, wie eine sinnvolle Aufgabenverteilung aussieht. Auch die Fragen nach einer Patientenverfügung und nach einer Vollmacht für den Pflegebedürftigen kann so frühzeitig geklärt werden, um späteren Streit und Fehlentscheidungen zu vermeiden. Sorgen sie auch dafür, dass ein Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung gestellt wird. Auch eine Begutachtung durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) ist notwendig um die Zuordnung zu einer Pflegestufe des Pflegebedürftigen zu ermöglichen.

Geben Sie sich Zeit

Die Veränderungen der Rollenverteilung ist für alle Betroffenen schwierig. Für manch einen Angehörigen ist es sogar ein regelrechter Schock. Hier gilt: Lassen Sie sich und allen Beteiligten Zeit, um sich in der neuen Situation zurecht zu finden. Gerade Partner und Kinder müssen sich emotional darauf vorbereiten, nun die Verantwortung übernehmen zu müssen. Wichtig ist es hier, Gefühle zu akzeptieren und zu respektieren. Sie können auch mit einer ganzen Reihe von schmerzhaften Verlusten konfrontiert werden: etwa, wenn der Pflegebedürftige Namen und Erinnerungen vergisst. Sie sollten sich selbst und allen Angehörigen genug Zeit lassen, um Trauer und Verarbeitung zu ermöglichen.

Ganz alleine pflegen?

Wenn Sie alleinstehend oder kinderlos sind, kann die Pflege eines Angehörigen eine noch größere Belastung für Sie darstellen. Der hohe Stress und die emotionalen Belastungen können für einen Pflegenden alleine zu viel sein. Isolation von anderen und Depressionen können die Folge sein. Unbedingt sollten Sie sich daher jemandem anvertrauen, etwa Freunden oder Verwandten. Auch professionelle Berater oder einfach andere Menschen, die ihre Angehörigen pflegen und sich somit in derselben Situation wie Sie befinden können Ansprechpartner sein. Manchmal tut es eben gut, sich auszutauschen und erneut Kraft zu sammeln. Die Deutschen Alzheimer Gesellschaft bietet zum Beispiel Angehörigen von Demenzerkrankten Schulungen und Selbsthilfegruppen an.

Mehr Informationen zu diesem Thema:

Ratgeber Was tun im Pflegefall

Ratgeber Pflege-Finanzierung

Gastautor

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1 Antwort

  1. 8. März 2014

    […] Pflegehilfsmittel: So beantragen Sie Hilfsmittel ohne Stress Wenn der Partner pflegebedürftig wird… […]

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