Demenzdorf Alzey endgültig gescheitert

Über viele Jahre zogen sich die Planung und Genehmigung des einstmals ersten deutschen Demenzdorfes hin. Nun ist endgültig klar: Die Planungen für das Demenzdorf in Alzey werden nicht mehr vorangetrieben. Grund: : Die Rheinhessen-Fachklinik Alzey startet mit Unterstützung des Landkreises ein eigenes Projekt. Geplant war, in Alzey ein Stadtquartier für Menschen mit Demenz für bis zu 120 Bewohner mit Läden, Arztpraxen und Freizeitangeboten nach dem Vorbild des niederländischen Demenzdorfs „De Hogeweyk“ zu errichten. Auf dem 1,2 Hektar großen Areal sollte auch Menschen mit fortgeschrittener Demenz ein weitgehend selbstständiges Leben ermöglicht werden. Als Investor für das 13 bis 14 Millionen Euro teure Bauvorhaben stand die westfälische Unternehmensgruppe Schettler Unternehmungen aus Herten bereit. Das ambitionierte Vorhaben der Planer Bennewitz und Georgi war zwischenzeitlich „wegen Bedenken des Landkreises gegen das Konzept auf Eis gelegt“ worden.

Neue Wohngemeinschaft für Demenz

Wie die „Allgemeine Zeitung Alzey“ berichtet, seien die Verträge für den Bau und Betrieb des neuen Projekts Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz vom Geschäftsführer der Rheinhessen-Fachklinik Alzey (RFK), Gerald Gaß, und den Bauherren Karl-Wilhelm und Jan Faber in Gegenwart von Landrat Ernst Walter Görisch unterzeichnet worden. Die Projektentwicklung Faber+Allendes werden auf dem 1000 qm großen, innenstadtnahmen Grundstück „An der Gänsewiese“ in Alzey zwei Wohngemeinschaften für je 12 Bewohner mit Demenz entwerfen. Die WGs werden als ambulante Einrichtung betrieben und sollen zum 1.1.2017 bezogen werden. Gegenüber dem Branchendienst CARE-INVEST erklärte der Planer Jan Bennewitz:“Die auf Eis liegenden Planungen für das Stadtquartier für Menschen mit Demenz werden am Standort Alzey nicht weitergeführt. Hintergrund sind die konkreten Pläne der Rheinhessen-Fachklinik, auf dem Grundstück der Familie Faber An der Gänsewiese in Alzey zwei ambulant betreute Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz zu pachten und zu betreiben. Es ist nun offensichtlich, warum die Rheinhessen-Fachklinik sich von Beginn an vehement gegen dieses Projekt ausgesprochen hat. Das Landeskrankenhaus möchte selbst Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz in der Region betreiben und hat ihren offenbar erheblichen Einfluss auf die lokale Politik geltend gemacht.“.

Mehr Informationen zum Thema Demenzdorf:

Kritik am Modell Demenzdorf

Demenz: Wahl der richtigen Betreuung und Pflege

Demenzdorf de Hogeweyk in den Niederlanden

Quelle: Care-Invest

Alexander Keller

Ehemaliger Chefredakteur vom Wohnen im Alter Magazin.

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1 Antwort

  1. Theresia sagt:

    Unglaublich, wie man ein Demenzdorf, das wirklich Sinn macht, auf Eis legen kann, weil ein Krankenhaus eigene Demenzgruppen fördern will. Zwei mal 12 Personen. Wem ist denn damit gedient?
    Ich habe soeben mehrere Sendungen im Fernsehen gesehen, über Pflegenotstand, über Massentierhaltung und steigende Gewalt usw. Und dann die Frage, wie kann man so vieles einfach so laufen lassen, obwohl es Länder gibt, die hier vorbildlich bessere Methoden anbieten, zumindest in der Pflege und in der Tierhaltung.
    In der Pflege gibt es Hilfsangebote, aber Demenzkranke, die immer mehr den Bezug zu ihrem eigenen Leben verlieren und um die man ein aufwendiges Konstrukt aufbauen muss, damit sie sich einigermaßen wohlfühlen, das ist in Familien, die oftmals selbst noch andere Lasten zu tragen haben, mit dem Fortschreiten der Krankheit, meist nicht tragbar, ohne das die pflegenden Angehörigen selbst an Substanz verlieren.
    Ich selbst befinde mich gerade in einer solchen Lage. Ich wäre froh, wenn ich in der Familie noch einen Angehörigen finden könnte, der nicht arbeiten gehen muss und mit dem man sich die Pflege ect. teilen kann. Schon meiner Mutter ist es so ergangen, dass sie mit meiner demenzkranken Oma vollkommen auf sich gestellt gewesen ist. Das ist eine unmenschliche Situation.
    Ein solches Dorf wäre für meine Angehörige eine große Alternative und Erleichterung gewesen.

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