Minimalismus im Alter

Minimalismus – ein Lebensstil den wir seit einigen Jahren als Trend bemerken, hat seinen Ursprung als Kunstrichtung aus den 1960ern. Als Gegenstück zum Expressionismus wird hier auf minimale Farben und Design gesetzt. Mit Minimalismus möchte man den Betrachter nicht überreizen. Durch klare Linien und Formen schafft man eine beruhigende Atmosphäre.

Dies lässt sich heutzutage auf alle möglichen Bereiche übertragen: ob in der Mode, im Interieur, im Kosmetikbereich oder in der Technik. Der minimalistische Gestaltungstil begeistert die Welt mit seinen klaren Strukturen und simplen Design.

Minimalistischer Schreibtisch | Quelle: fauxels - Pexels

Minimalistischer Schreibtisch | Quelle: fauxels – Pexels

Aber was genau bedeutet minimalistisch leben?

Minimalismus als Lebensstil heißt, kurz gesagt, mit weniger mehr leben.

Die beiden Amerikaner und Pioniere im Minimalismus, Joshua Fields Millburn und Ryan Nicodemus, machen deutlich, dass es bei Minimalismus nicht darum geht, alles Hab und Gut loszuwerden, in einer leeren Wohnung zu sitzen und nur noch zwei T-Shirts zu tragen.

Nein, bei Minimalismus geht es darum, sich von unnötigen Dingen zu trennen und nur das zu behalten, was einen wirklich glücklich macht und was man wirklich braucht. Durch weniger Krempel haben wir mehr Zeit, mehr Passion für etwas, mehr Kreativität, mehr Zufriedenheit und mehr Freiheit. Durch regelmäßiges Ausmisten bzw. nicht Anhäufen von unnützen Dingen, schafft man diesen Raum für mehr.  

Auch die japanische Bestsellerautorin Marie Kondo schließt sich diesem Gedankengang an und eroberte mit ihrem Buch „Magic Cleaning“ zum Thema Aufräumen, und der darin beschriebenen KonMari-Methode, die ganze Welt. Sie beschreibt detailliert wie Menschen ausmisten und aufräumen sollen, um so ein besseres Leben zu führen – denn Ordnung macht glücklich.

Ihr Tipp ist es, jeden Bereich einzeln anzugehen, darin jeden Gegenstand anzufassen und sich zu fragen „Löst es in mir Freude aus?“ (original: „Does it spark Joy?“). Tut es das nicht, muss es weg. Diese Art und Weise loszulassen ist zwar radikal, resultiert aber darin, dass man nur die Dinge in seinem Leben behält, die man auch wirklich braucht und schätzt. Gemäß dem japanischen Sprichwort „Die Unordnung im Zimmer entspricht der Unordnung im Herzen.“, soll mit dieser Methode Last abfallen, die sich durch das unnötige Horten von Gegenständen anhäuft.

 

Minimalismus und Älterwerden

Ein Durchschnittsdeutscher besitzt heutzutage rund 10.000 Dinge. Gerade im Alter merkt man erst, wie viele Besitztümer man über die Jahre angesammelt hat. Vieles davon wurde seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen, gebraucht oder benutzt. 

Spätestens sobald man sich im Alter von 50-60 Jahren dazu entscheidet umzuziehen, wird man von der Masse an Habseligkeiten erschlagen. Die riesigen Eichenschrankwände vollgestellt mit Porzellan, die unbetretenen Zimmer bereits ausgezogener Kinder, der staubige Dachboden, der vollgestellte Keller und, und, und. Das einst belebte, mehrstöckige Einfamilienhaus wird nun nur noch von ein bis zwei Eltern bewohnt, welche mit all dem Zeug überfordert sind. Dabei kann das Wechseln der Wohnsituation und somit das Loslassen, Verkaufen und Verschenken vieler Gegenstände, sehr befreiend wirken und jede Menge Geld einsparen. Wer frühzeitig anfängt sich Gedanken darüber zu machen, was er wirklich braucht und behalten möchte, der spart sich im Rentenalter viel Zeit und Energie.

Margareta Magnusson, die Autorin des Buchs „Frau Magnussons Kunst, die letzten Dinge des Lebens zu ordnen“, schreibt konkret über Minimalismus im hohen Alter. Sie nennt den Vorgang des Ausmistens „Döstädning”, welcher sich aus den schwedischen Wörtern „sterben“ und „Sauberkeit“ zusammensetzt. Im Internet findet man dazu zahlreiche Artikel, Blogeinträge und Videos unter dem Namen „(The Gentle Art of) Swedish Death Cleaning“.

In ihrer Methode geht es darum, die eigenen Besitztümer vor seinem Tod zu entrümpeln, auszusortieren und aufzuräumen. Dies hat zum Ziel, dass man den Prozess des Ausmistens nicht den Hinterbliebenen überlässt, sondern selbstständig entscheidet was behalten wird und in den letzten Lebensjahren noch Freude bereitet.

„Death Cleaning“ muss aber nicht ausschließlich von Menschen, die sich auf den Tod vorbereiten, angewandt werden. Auch jüngere Generationen können von dem Loslassen einiger Gegenstände und dem Leben ohne viel Ballast, profitieren.

In der Folge „Loslassen im Alter“ von dem „Schweizer Minimalismus Podcast“ wird genauer über Margareta Magnussons Buch gesprochen. Auch auf dem dazugehörigen Youtube Kanal, sowie der Website der Firma Minimalismus.ch werden reichlich Informationen über Minimalismus und Älterwerden geteilt. 

 

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Downsizing, also (zu Deutsch:) die Verkleinerung, Vereinfachung und Reduktion der Lebensumstände, ist eine gute Möglichkeit, das Abgeben des Überflüssigen anzugehen. Gleichzeitig spart man beim Wechsel der Wohnsituation eine Menge Geld, da die Miets-, Strom- und Heizkosten deutlich niedriger sind. Wofür ein großes Haus beheizen, wenn nur zwei Räume genutzt werden?

Downsizing und Minimalismus sind aber nicht nur bei der Wohnsituation gut anwendbar. Auch bei der Kleidung, Technik, bei den Möbeln etc. kann vermindert werden. Vielleicht sind die Enkelkinder an der alten Schallplatte interessiert? Oder die Kinder möchten ihr Dreirad von früher selbst behalten. Vielleicht träumt eine Tochter seit sie klein ist von dem Hochzeitskleid ihrer Mutter, oder der Sohn würde gerne die Handwerksecke im Keller bei sich zu Hause einbauen. Beim Ausmisten sollten die Kinder auf jeden Fall mit einbezogen werden, vor allem wenn es um das Ausräumen ihrer alten Kinderzimmer geht.

Auch Außenstehende finden oft neue Schätze im „Müll“ eines anderen. Wie heißt es so schön „One man’s trash, is another man’s treasure“ (zu Deutsch: „Des einen Müll, ist des anderen Schatzes“). Auf Flohmärkten oder dem Online Portal eBay bzw. auf eBay Kleinanzeigen bekommt man Einiges los und kann dabei noch gutes Geld einnehmen. Alternativ kann man die Dinge auch verschenken oder an Einrichtungen spenden.

 

Vorteile

  • weniger Besitz = mehr Platz und Ordnung
  • man spart Geld, da man z.B. in eine kleinere Wohnung zieht oder sein Auto verkauft
  • man konsumiert bewusster, d.h. man macht sich genau Gedanken darüber, was für Gegenstände man in sein Leben holt und was wirklich gebraucht und genutzt wird
  • dadurch wird auch weniger Müll produziert
  • man lernt seine Besitztümer mehr zu schätzen und fokussiert sich auf die wichtigen Dinge im Leben → weniger Verlustängste, mehr Dankbarkeit
  • weniger Besitz = weniger Sorgen
  • man lernt sich selber neu und besser kennen, d.h. weniger Besitz macht erfinderisch, kreativ und improvisatorisch
  • weniger Besitz = mehr Flexibilität, d.h. bei Reisen oder einem Umzug ist man weniger gebunden 

 

Fazit

Im hohen Alter möchte man sich nicht mehr mit seinen Gegenständen beschäftigen, seine Zeit und Energie darauf verschwenden. Man möchte Beziehungen pflegen und hierauf seine volle Aufmerksamkeit investieren. Man möchte jede Menge Zeit mit Freunden und Familie verbringen – und sich nicht ständig mit überflüssigem Hab und Gut auseinandersetzen. Dies gehört zur Altersvorsorge, macht gesund und glücklich.

Minimalismus und Downsizing sind hierfür gute Ansatzpunkte, die einem helfen sich von unnötigem Ballast zu befreien und sich auf die wesentlichen Dinge im Alter zu konzentrieren. Was man nicht braucht wird weggegeben – das schafft nicht nur Platz, Zeit und Ordnung, sondern auch mehr Kreativität, Zufriedenheit und Freiheit.

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