Demenz: Pflege Zuhause deutlich günstiger als im Heim

Europäische Studie zum Thema Pflege-Übergang

Die stationäre Pflege von Demenzpatienten ist fast doppelt so teuer wie die Versorgung durch Angehörige. Dies zeigt das europäisches Forschungsprojekt RightTimePlaceCare der Universität Witten/Herdecke. Ziel des von der UW/H koordinierten Projektes, das im Januar 2010 begonnen hat und im Sommer 2013 zum Abgeschlossen wurde, ist es, Empfehlungen für den Übergang von der häuslichen Versorgung in die stationäre Betreuung zu entwickeln. Hauptziel des Projektes war es, Gesundheitsleistungen für Personen mit Demenz innerhalb Europas zu verbessern und insbesondere Best-Practice-Strategien für den Übergang von professionell betreuter häuslicher Pflege in Einrichtungen der Langzeitpflege zu entwickeln. Der Umzug von Menschen mit Demenz in eine stationäre Wohneinrichtung ist für alle Beteiligten – Betroffene, ihre Angehörigen sowie professionelle Begleiter – eine große Herausforderung. Um herauszufinden, wann dieser Umzug für wen eine gute Lösung ist, hat die EU das Projekt „RightTimePlaceCare“ aufgelegt. Beteiligt sind neben der UW/H Universitäten aus England, Estland, Finnland, Frankreich, den Niederlanden, Schweden und Spanien. Einbezogen waren mehr als 2000 Menschen mit Demenz und Pflegende.

Vergleich der Demenz-Versorgung

Nach der gesundheitsökonomischen Auswertung entstehen bei der Langzeitpflege im Heim monatliche Kosten von durchschnittlich 4491 Euro. Werden die an Demenz Erkrankten zu Hause gepflegt, kostet das 2491 Euro. Dabei wurden auch die Kosten der informellen Pflege, etwa durch Familienangehörige, berücksichtigt, sagt Sauerland. „Je nachdem, wie hoch man den Lohn pro Stunde für die erbrachte informelle Pflege ansetzt, wird die häusliche Pflege von Menschen mit schwerer Demenz sogar teurer als die in stationären Pflegeeinrichtungen.“ Das müssten Gesundheitspolitiker berücksichtigen, wenn Menschen mit Demenz möglichst lange zu Hause versorgt werden sollen, betont der Gesundheitsökonom.
Wirklich neu ist diese Erkenntnis nicht. Dass die häusliche Pflege günstiger ist, als die stationäre ist seit langem bekannt. Trotzdem ist das Ergebnis der Studie wichtig. Die Studie zeigt, dass mehr passende Angebote sowohl zur Entlastung von häuslicher Pflege als auch mehr alternative Pflegeformen geschaffen werden müssen, um die Herausforderung Demenz zu bewältigen.

Mehr Information:

Ratgeber Demenz Wahl der Betreuung und Pflege
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Bildquelle: www.uni-wh.de

Alexander Keller

Ehemaliger Chefredakteur vom Wohnen im Alter Magazin.

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