Institut der deutschen Wirtschaft kritisiert geplanten Pflegevorsorgefond

Pflegevorsorgefond reicht nicht  aus:

Die Regierung will die Beiträge zur Sozialen Pflegepflichtversicherung erhöhen, ihre Leistungen ausweiten und einen Pflegevorsorgefonds einrichten. Laut einer Studie des arbeitgenernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) sind diese Pläne allerdings nicht geeignet, die Pflegeversicherung zukunftsfähig und generationengerechter zu machen. Das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln rät stattdessen dazu, einen Teil der Versicherung künftig kapitalgedeckt zu finanzieren. Laut IW-Berechnungen wird die Zahl der Pflegefälle in Deutschland in einem pessimistischen Szenario bis 2050 von heute 2,5 auf 4,2 Millionen steigen. Im optimistischen Szenario ist immer noch mit 1 Million Pflegefällen zusätzlich zu rechnen. Der geplante Vorsorge-Fonds, mit dem Geld für die Zukunft angespart und gewinnbringend angelegt werden soll, wäre laut IW-Berechnungen kaum mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Zudem ist nicht absehbar, ob eine künftige Regierung den Fonds nicht doch zweckentfremdet – wie aktuell die Rücklagen der gesetzlichen Rentenversicherung.

Abspaltung der Pflegeversicherung gefordert

Deshalb empfehlen die IW-Wissenschaftler einen anderen Weg: Die stationäre Pflege, die meist erst am Lebensende nötig wird, soll nicht länger durch die umlagefinanzierte Pflegeversicherung abgedeckt werden, sondern über eine neue, kapitalgedeckte Alternative. Dann würde jede Generation selbst für ihr Pflegerisiko vorsorgen. IW-Direktor Professor Michael Hüther: „Mit diesem Vorschlag würde der Automatismus, Finanzierungslasten einfach immer weiter auf nachfolgende Generationen zu verschieben, zumindest zum Teil durchbrochen. Ein erster Schritt hin zu mehr Generationengerechtigkeit.“

Da das IW Köln als sehr wirtschaftsnahes Institut gilt, sind solche Vorschläge mit Vorsicht zu genießen.

Pflegesimulation

Simulation der Einnahmen, Ausgaben und des Überschusses bzw. der Finanzierungslücke der Sozialen Pflegeversicherung in Milliarden Euro bei unterschiedlicher Entwicklung des individuellen Pflegerisikos (Klicken Sie auf die Zeitleiste, um sich die Simulation anzusehen)


Alexander Keller

Ehemaliger Chefredakteur vom Wohnen im Alter Magazin.

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