Neue Pflegewohnparks in Ungarn und Thailand

Lohnt sich die Pflege außerhalb des eigenen Landes?

Viele Medien berichten zur Zeit über das Thema Pflege im Ausland. Grund für den neuen Trend, sollen die zu hohen Kosten der Pflege in Deutschland sein. Noch gibt es noch sehr wenige Pflegefälle im Ausland. Doch die Nachfrage wächst unter anderem wegen der Berichterstattung. Immer mehr private Anbieter versuchen auf diesen „Trend“ aufzuspringen, so auch die Convisum Treuhand AG aus der Schweiz.

Großprojekte sind bereits in Planung

Paradise City: der eher amerikanisch anmutende Name steht für das jüngste Projekt der Convisum Treuhand AG. Das Unternehmen mit Sitz in Frankfurt baut zurzeit gleich an zwei Pflegewohnparks, und zwar nicht innerhalb des eigenen Landes, sondern in Ungarn und Thailand. Ein riesiges, weitläufiges Grundstück, zahlreiche Doppelhäuser mit ausreichend Wohnfläche, in denen die Bewohner untergebracht werden sollen. Verwaltungsgebäude und Krankenstation. Und das Versprechen, qualitativ hochwertige Pflege zu bezahlbaren Preisen anzubieten. Das ist der Plan des Seniorenparks im Heilbad Bük, Westungarn, an dessen Verwirklichung das Unternehmen derzeit sitzt. Ein ähnliches Projekt ist auch in Thailand geplant.
Im Fokus dieses ganzen Unterfangens stehen dabei insbesondere Menschen mit niedrigem Einkommen.
Die angebotenen Leistungen kosten in Ungarn nämlich rund 45% weniger als in Deutschland, in Thailand sind es sogar 60%.

Kritik am Paradise Cita

Hierzulande hagelt es Kritik an dem Konzept. Der Großteil der inländischen Pflegewissenschaftler hält das Konzept für keine denkbare Option. Der Ansatz sei allein aus ethischer Sicht sehr fragwürdig, da es den Anschein erwecke, man wolle die Probleme im eigenen Land ins Ausland verlagern, ältere Menschen einfach abschieben. Der Ansatz stelle sich entgegen aller Bemühungen und Anstrengungen, die im eigenen Land geleistet werden. Stattdessen solle man sich darauf konzentrieren, die Umstände in Deutschland selbst zu verbessern, Wohnkonzepte zu entwickeln, die eine bezahlbare Alternative zur stationären Versorgung bieten. Auch auf sprachlicher Ebene hat man Bedenken.
Hauptaktionär Gottfried Leindecker ist da allerdings ganz anderer Ansicht. Es werde großer Wert gelegt auf qualifizierte Pflegekräfte. Die sprachlichen Probleme seien ebenfalls nicht gegeben, da die Pflegekräfte zum Erlernen der Sprache auf entsprechende Schulen geschickt werden. Die Pflege im Ausland stelle ein vielversprechendes Konzept dar, welches sich in Zukunft immer mehr verbreiten und seinen Wert beweisen wird.
Ob diese Modell Erfolg hat, muss erst zeigen. Die ersten Pflegeheime für Deutsche in Osteuropa mussten bereits wegen Erfolgslosigkeit schließen.

Ist Pflege im Ausland eine Alternative

Wer sich für die Pflege im Ausland entscheidet, muss einige ganz grundsätzliche Dinge im Auge behalten. Wie viel zahlt beispielsweise die eigene Pflegekasse dazu, wenn ich mich außerhalb Deutschlands versorgen lasse? Der Anteil, der von der Pflegekasse gezahlt wird, ist bei Pflegeeinrichtungen im Ausland niedriger als im Inland. Dafür bleibt der Rentenanspruch für Bürger mit deutscher Staatsangehörigkeit jedoch vollständig erhalten, selbst wenn der Weg sie über die Staatsgrenzen hinausführt. In manchen Ländern hat man sogar den Vorteil, dass die Rente nicht versteuert wird.
Doch was tun im Krankheits- oder Pflegefall? Dazu sollte man sich vorher immer ausreichend informieren, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden. Was wird von meiner Pflegekasse im Ausland abgedeckt? Muss ich eine zusätzliche Versicherung abschließen? All solche Dinge sollten in den Entscheidungsprozess mit einbezogen werden. Sind sämtliche Rahmenbedingungen geklärt und fühlt man sich bereit, steht dem entscheidenden Schritt schließlich nichts mehr im Wege. Mehr Informationen zur Pflege im Ausland finden Sie im Seniorenratgeber Pflege im Ausland

Bildquelle: Convisum Treuhand AG

Alexander Keller

Ehemaliger Chefredakteur vom Wohnen im Alter Magazin.

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