Fehler in der Pflege: Kritik an Berichterstattung von BILD und AOK

Unheilige Allianz zwischen Boulevard und AOK?

Eine ursprünglich gut gemeinte Kampagne der AOK  zur Fehler-Kultur in Pflege- und Gesundheitsberufen sorgt für große Aufregung bei Pflege-Verbänden und Initiativen. Ziel der AOK-Kampagne ist es, für eine offene Fehlerkommunikation in Pflege-Einrichtungen und Kliniken zu sorgen. Laut einer aktuellen Studie des Zentrums für Pflegeforschung und Beratung der Hochschule Bremen werden Behandlungs- oder Pflege-Fehler nur selten gemeldet. Für diese Kampagne ist die AOK eine unheilvolle Medienkooperation mit der BILD-Zeitung eingegangen. Die BILD-Zeitung ist bekannt dafür, dass sie mit negativen Berichten über die Pflege Auflage macht. So wird das Thema Gewalt im Pflegeheim regelmäßig auf die Titelsseite gebracht oder versucht mit  falschen Zahlen zum „Alten-Export“ ins Ausland einen Trend auszurufen.

Kritik vom bad e.V.

Der Bundesverband Ambulante Dienste und Stationäre Einrichtungen (bad) e.V., in dem rund 1000 vorwiegend privat geführte Pflegebetriebe zusammengeschlossen sind, wehrt sich vehement gegen den von der BILD-Zeitung in Kooperation mit dem AOK-Bundesverband vermittelten Negativ-Eindruck der Pflege in Deutschland. In einer seit Anfang Januar laufenden Serie berichten Krankenschwestern und Pfleger von vermeintlichen Fehlern, die ihnen in ihrem Pflegealltag unterlaufen sind. Cristina Krause-Mohr, Mitglied im Bundesvorstand des bad e.V., ärgert sich über Berichterstattung, die bei der Leserschaft den fatalen Eindruck hinterlässt, der Alltag in der Pflege sei von Pannen, Fehleinschätzungen und Fehlern geprägt: „Ein Teil der Beispiele ist einmalig vor etlichen Jahren geschehen, in den Berichten und in der Häufung der Ereignisse muss der Leser aber den Eindruck haben, dass so etwas an der Tagesordnung ist“, beschwert sich die Inhaberin eines Pflegedienstes in der Eifel.

„Müssen wir Angst vor Pflege haben?“

Folgerichtig fragt die BILD-Zeitung auch in einem Interview mit Bundesgesundheitsminister Gröhe: „Müssen wir Angst vor Pflege haben?“ Krause-Mohr ist auch mit dem Begriff „Fehler“ nicht einverstanden: „Wenn ein Patient einmal ungewöhnlich ruhig ist, wie in dem Beispiel der Ausgabe vom 15. Jan. 2014 beschrieben, heißt das doch noch lange nicht, dass der Sterbeprozess begonnen hat. Sollte der Patient trotzdem kurz darauf versterben, handelt es sich doch nicht um einen Pflegefehler im eigentlichen Sinne.“ Dass die Bild-Zeitung sich in ihren Beispielen auf eine Publikation des AOK-Bundesverbandes bezieht, entbehre nicht einer pikanten Note: „Schließlich müssen wir uns immer wieder gerade mit der AOK streiten, wenn die Kasse – oftmals ohne Begründung – die Bezahlung von ärztlichen Verordnungen zur häuslichen Krankenpflege ablehnt, die für die Pflegebedürftigen eine deutliche Erleichterung ihrer Situation bedeuten würden“, erklärt Andrea Kapp, Bundesgeschäftsführerin des bad e.V.

Kritik der Bürger Initiative Gesundheit e.V

Auch der Bürger Initiative Gesundheit e.V. (vormals DGVP e.V.) kritisiert die Kampagne der AOK als einseitig, destruktiv und scheinheilige Diffamierungskampagne. Das Kesseltreiben der gesetzlichen Krankenkassen gegen die Betreuung der Bürger im Gesundheitswesen zerstöre Vertrauen. Durch die einseitige Orientierung der gesetzlichen Krankenkassen auf Kostensenkung würden in den letzten Jahren die notwendigen Vergütungen für die ambulante und stationäre Versorgung immer weiter reduziert und der bürokratische Aufwand für die Berufsgruppen ins Unendliche hoch geschraubt.
„Die AOK beklagt die Folgen ihrer eigenen Verfehlungen, schiebt aber dabei den Institutionen der Gesundheitsversorgung den schwarzen Peter zu. Ich stelle mir deshalb vor, dass eine Überlegung der AOK sein könnte, dass sich durch den Vertrauensverlust in die Ärzteschaft und die Krankenhäuser diese auch weniger von den Bürgern in Anspruch genommen werden. Der Erfolg: Eine weitere Kostensenkung zulasten der Bürger, des gesamten Gesundheitswesens und nicht zuletzt den Beitragszahlern der AOK. Das sollte man bei PR-Aktionen, wie sie die AOK betrieben hat, immer im Hinterkopf behalten, kritisiert Wolfram-Arnim Candidus Präsident der Bürger Initiative Gesundheit e.V. die AOK-Kampagne.

Wie finden Sie die Kampagne?

Ist die Berichterstattung sinnvoll, um auf das Problem der mangelnden Fehler-Kultur im Gesundheitswesen hinzuweisen oder scheinheilig?
Wir freuen uns auf Ihre Meinung in den Kommentaren!

Mehr Informationen:
BILD-Bericht „Pfleger gesteht Fehler: „Ich ließ eine Patientin einsam sterben“

Bildquelle: www.aok-bv.de

Alexander Keller

Ehemaliger Chefredakteur vom Wohnen im Alter Magazin.

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