Biografiearbeit – die Arbeit an den Lebensspuren des Menschen

„Weißt du noch wie früher…?“

Immer mehr Menschen sind im Alter von Demenz oder Alzheimer betroffenen. In Deutschland leben laut Schätzungen der Deutschen Alzheimer Gesellschaft zurzeit rund 1,4 Millionen Menschen mit einer Demenz- oder Alzheimer-Erkrankung. Das sind 1,4 Millionen Menschen, die sich nicht erinnern können, ob sie lieber in das Theater oder in die Oper gingen. Die vergessen haben, ob sie gerne Kartoffelbrei mit Sauerkraut gegessen haben oder doch Linseneintopf bevorzugten. Die nicht mehr wissen, ob sie viel gelesen haben und welche Bücher sie zu begeistern vermochten. Was nach der bloßen Vergesslichkeit des Alltags klingt, bedeutet für die Betroffenen jedoch der schwerwiegende Verlust der bewussten Persönlichkeit.

Wer bin ich und was macht mich aus?

Im Umgang und der Betreuung älterer Menschen, speziell dementer Patienten erlangt die sogenannte Biographiearbeit immer mehr an Bedeutung. Schließlich steht der Betroffene nicht bloß als Patient im Vordergrund, sondern als Mensch, hinter dem ein langes und bewegtes Leben steht. Vergangene Ereignisse, Einschnitte und Erfahrungen haben seine Persönlichkeit konstituiert und geben dem Pflegepersonal Aufschluss über seine Verhaltensmuster. Das Wissen über die Lebensgeschichte trägt zu einem vertieften Pflegeverständnis bei, welches ermöglicht die Individualität des Patienten adäquat zu fördern sowie differenziert auf seine Bedürfnisse einzugehen. Besonders im Umgang mit Demenzerkrankten dient das Anknüpfen an die individuelle Biographie dem Pflegepersonal als wichtiger Informationsträger, um Schlüsselreize ausfindig zu machen, die noch vorhandene Fähigkeiten stimulieren. Außerdem kann so die langsam schwindende Identität etwas länger bewahrt werden.

Das bin ich!

Biographiearbeit kann auf vielfältige Art und Weise gestaltet werden. Im Rahmen lockerer Gesprächsrunden können die Senioren beispielsweise gemeinsam in alten Erinnerungen schwelgen. Eine weitere Möglichkeit des Erinnerns bietet der sogenannte ICH-PASS. Ins Leben gerufen von der Freiburgerin Sigrid Hofmaier füllt der ICH-PASS die Lücke zwischen Poesiealbum und Patientenverfügung. Das Büchlein im Passformat enthält eine Sammlung biographischer Fragen und bietet genügend Platz diese mit den Antworten des eigenen Lebens auszufüllen. Er regt zudem an, sich mit der eigenen Persönlichkeit auseinanderzusetzen und das eigene Leben zu reflektieren. Auf diese Weise wird im Prozess des Älterwerdens die notwendige persönliche Sicherheit vermittelt. Im Falle der Pflegebedürftigkeit gibt der ICH-PASS wichtige Informationen etwa über die Vorlieben und Abneigungen des Patienten preis. Doch nicht nur unter diesen Umständen stellt er ein bedeutendes Dokument dar. Er sichert den schriftlichen Verbleib der Erinnerung an die Persönlichkeit von Mutter und Vater, Oma und Opa und hilft dabei, die Spuren des Lebens aufrechtzuhalten.

Weitere Informationen zum ICH-PASS finden Sie hier: ich-pass.de

Bildquelle: fotolia.com

Gastautor

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