Studie zu Hundertjährigen: Lebenseinstellung ist entscheidend

In Deutschland hat sich die Zahl der Hundertjährigen im letzten Jahrzehnt mehr als verdoppelt. Dass diese Hochaltrigen heute fitter sind als diejenigen früherer Generationen, belegt eine repräsentative Untersuchung von Forschern der Universität Heidelberg. Dabei hat sich gezeigt, dass für die Lebensqualität Menschen mit sehr hohem Alter psychologische Stärken wie eine optimistische Einstellung und Lebenswillen wichtiger sind als die geistige Leistungsfähigkeit oder Gesundheit.

Erforschung der Bedürfnisse von Hundertjährigen

Im Rahmen ihrer Studie befragten Heidelberger Forscher 112 Hundertjährige, sowie deren Familie und Freunde bezüglich ihrer Aktivitäten und sozialen Herausforderungen. Zusammen mit einer vorigen Studie aus dem Jahr 2001 und zwei weiteren aus den USA und Portugal, sollten so Wege gefunden werden, die besonderen Bedürfnisse Hochaltriger zu erforschen und ihnen gerecht zu werden. Allein in den Jahren 2000 bis 2010 stieg deutschlandweit die Anzahl der Personen im Alter von Hundert oder mehr Jahren von etwa 6000 auf rund 13000 an. Dennoch nahm die Zahl der pflegebedürftigen Hochaltrigen nicht im gleichen Maße zu. Im Vergleich zu der Studie von 2001 waren beispielsweise deutlich mehr Hundertjährige in der Lage Mahlzeiten zuzubereiten, selbstständig zu essen und sich um ihre Geldangelegenheiten zu kümmern. Rund 52 Prozent von ihnen haben kaum oder nur geringe geistige Einschränkungen. (2001 waren es nur 41 Prozent). Andererseits benötigen dennoch 95 Prozent von ihnen Unterstützung durch Leistungen der Pflegeversicherung.

Hohe Lebenszufriedenheit bei Hundertjährigen

Obwohl die meisten Hundertjährigen von körperlichen Beeinträchtigungen betroffen sind, empfinden über 80 Prozent ihr Leben als lebenswert. Ihre Lebenszufriedenheit entsteht durch ein hohes Maß an optimistischer Grundeinstellung und einem zuversichtlichen Blick in die Zukunft. Dr. Christoph Rott, Co-Leiter der Studie, weist zudem daraufhin, dass die befragten Hundertjährigen im Durchschnitt sogar optimistischer waren als 80-Jährige.
Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass heute 59 Prozent der Hundertjährigen in Privathaushalten leben und von ihren Familienangehörigen versorgt werden. Doch auch die Anzahl der allein lebenden Hochaltrigen hat sich – im Vergleich zur Studie von 2001- verdoppelt. Dass dies auch weiterhin möglich sein wird, halten die Heidelberger Forscher für unrealistisch. Daher haben sie Maßnahmen entwickelt, die Hochaltrige dabei unterstützen sollen am sozialen Leben teilzuhaben und die die Hemmschwelle für die Nutzung professioneller Pflege senken sollen.

Optimismus entscheidend für hohes Alter?

„Trotz vielfältiger Einschränkungen und Verluste erleben die meisten Hundertjährigen ihr Leben als lebenswert, und mehr als 80 Prozent sind mit ihrem Leben zufrieden“, erklärt Dr. Christoph Rott, Co-Leiter der Studie. Eine große Rolle bei der Lebenszufriedenheit spielen psychologische Stärken wie eine optimistische Einstellung, Lebenssinn und Lebenswillen. Wichtig ist auch die so genannte Selbstwirksamkeit – die Überzeugung, das, was man tun möchte, auch wirklich zu können. „Wir haben Menschen befragt, deren Leben sich dem Ende zuneigt, dennoch zeigen sie sogar einen durchschnittlich höheren Optimismus als 80-Jährige. Diejenigen, die trotz des nahen Lebensendes weiterhin optimistisch in die Zukunft schauen, zeigten sich zufriedener mit ihrem Leben. Im Vergleich dazu sind Gesundheit, kognitive Leistungsfähigkeit und soziale Aspekte mit wenigen Ausnahmen deutlich unwichtiger für die Lebensqualität“, erklärt Christoph Rott.

Bildquelle: Schmidtke www.rs-photoart.com

Alexander Keller

Ehemaliger Chefredakteur vom Wohnen im Alter Magazin.

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1 Antwort

  1. 19. Dezember 2013

    […] Studie, hat sich die Anzahl der Hundertjährigen in Deutschland mehr als verdoppeln können. Das Geheimrezept der Hundertjährigen? Eine optimistische Lebenseinstellung, eine gute Brise Zufriedenheit und ganz viel […]

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