Altersarmut: „Warum ich nach Mauritius auswandere“

Altersarmut wird auch in Deutschland zunehmend zum Problem. Über 465.000 Rentner sind auf Grundsicherung angewiesen. Die wirkliche Dunkelziffer der Armut im Alter ist viel größer, denn viele Senioren schämen sich Hilfe anzunehmen oder verfügen noch über Besitz. Auf unseren Aufruf zum Thema Altersarmut haben wir verschiedene Zuschriften erhalten. Ein Fall war besonders interessant, auch wenn dies kein typischer Fall von Altersarmut ist. Frau Karin Maier hat ihr Leben lang gearbeitet und einen Teil ihres Einkommens in eine Immobilie investiert, also scheinbar alles richtig gemacht. Dennoch kann sie sich das Leben in Deutschland nicht mehr leisten und hat beschlossen nach Mauritius auszuwandern. in dem folgenden Interview erklärt Frau Maier warum:

Frau Maier – Sie sind Ihr Leben lang berufstätig gewesen. Trotzdem können Sie sich das Leben in Deutschland nicht mehr leisten und haben beschlossen nach Mauritius auszuwandern. Warum?

Frau Maier: Ich arbeite seit meinem 17. Lebensjahr – habe mich auf dem zweiten Bildungsweg weitergebildet – also immer neben der beruflichen Tätigkeit. So habe ich 15 Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt, weil man damals bei der Rentenversicherungsanstalt die Auskunft bekam: Für eine Mindestrente musst Du 15 Jahre einzahlen. Danach war ich selbständig und habe ich nichts mehr freiwillig in die Rentenversicherung eingezahlt. Ich wusste damals, dass auf 500 DM eingezahlten Rentenbeitrags eine monatliche Rente von nur 1 DM herauskommt. Weiterhin habe ich eine Lebensversicherung gehabt – und diese dann gekündigt, als man beobachten konnte, dass die Verzinsung schrumpft. So habe ich dieses Geld dann in eine Immobilie in Mauritius gezahlt. Weiterhin habe ich mir meine Eigentumswohnung als Vermögensanlage für das Alter bezahlt. Diese ist aber noch nicht ganz abgezahlt. Ich bin nun 65 Jahre alt und bekomme eine Rente incl. Krankenkassenzuschuss von 419,00 Euro. Meine Krankenversicherung beträgt monatlich 469,00 Euro. So muss ich jetzt bereits aus der Substanz die Krankenkasse bezahlen – geschweige denn, dass ich von der Rente etwas für meinen Lebensunterhalt habe. Meine noch nicht abbezahlte Wohnung ist sehr groß, doch diese lässt sich schwer verkaufen. Denn angesichts der großen Wohnung (ca. 165 qm) sind auch die Nebenkosten sehr hoch und dies schreckt die Kaufinteressenten zurück. Auch mit dem Verkaufserlös der Wohnung kann ich dauerhaft nicht in Deutschland leben. Ich bekomme auch keine Grundsicherung als Höherstufung meiner Rente, weil ich immer noch „Vermögen“ von mehr als 3.000 Euro auf dem Bankkonto habe und falle somit nicht unter die Sozialhilfe-Voraussetzungen. So bin ich zwar jetzt nicht in „Altersarmut“ – aber ich vermeide diese, indem ich ins Ausland ziehe.

In Würde zu altern, was bedeutet das für Sie konkret?

Frau Maier: Wenn man Anspruch auf eine „Grundrente“ hätte, die angepasst an die Lebenshaltungskosten es ermöglicht, eine Miete mit Nebenkosten zu bezahlen, in der gesetzlichen Krankenkasse versichert wäre, und notfalls in ein bezahlbares Altenheim gehen könnte, bzw. auch die Ernährung, Kleidung und evtl. mal einen Theater-oder Konzertbesuche finanzieren könnte – das wäre für mich „in Würde zu altern“

Erfolgte die Entscheidung für Mauritius vor allem aus privaten Gründen oder allein aus der Verbesserung der Lebensumstände?

Frau Maier: Wäre es für mich möglich, hier zu einem vernünftigen Preis eine Wohnung zu kaufen – damit man wenigstens mietfrei leben könnte, dann würde ich das Grundstück in Mauritius verkaufen und hier leben. Aber wie Sie wissen, sind die Immobilien nicht mehr erschwinglich. Die Heizkosten, Stromkosten laufen aus dem Ruder und in Mauritius kann man für ca. 120 bis 150 Euro leben, wenn man mal ein „Dach über dem Kopf“ hat.

Inwiefern unterscheiden und gleichen sich die Lebensbedingungen für Senioren in Deutschland und auf Mauritius?

Frau Maier: Nachdem ich aus meiner Krankenkasse „hinausgeworfen“ werde, wenn ich meinen gewöhnlichen Aufenthalt ins Ausland verlagere, muss ich im Ausland für Versicherungsschutz sorgen. Dies ist rein theoretisch in Mauritius nicht nötig, weil dort alle Leute, auch Ausländer kostenlos in den Ambulanzen bzw. auch stationär in den Krankenhäusern versorgt werden. Das bedeutet, dass meine Rente von knapp 400 Euro (ohne Krankenkassenzuschuss) dann in Mauritius reicht und ich nicht auf die Sozialhilfe hin steuere. Ich werde den Verkaufserlös aus meiner Wohnung für den Bau eines Hauses in Mauritius verwenden, so dass ich keine Miete zahlen muss und die Rente nur für mein Leben verwendet werden kann. Ein paar zusätzliche Einnahmen in Mauritius aus der Vermietung der Ferienwohnung wird mir dann ermöglichen, mal gelegentlich in die Heimat nach Deutschland zurückzukehren.

Was würden Sie den Senioren raten, die ihren Wohnsitz im Alter nicht ins Ausland verlagern wollen oder können? Wie lässt sich unter diesen Bedingungen ein Leben in Würde gestalten?

Frau Maier: Bevor ich weitere Frage beantworte, muss ich an dieser Stelle etwas anderes anmerken: Es kann einfach nicht sein, dass die Rentenberechnungen in ihrer Höhe nicht mehr der Realität der Lebenshaltungskosten entsprechen. Es kann nicht angehen, dass man die Würde im Alter verliert und Flaschen sammeln muss. Es kann auch nicht angehen, dass man den Jüngeren auf der Tasche liegt. Der Staat muss das Vertrauen übermitteln, dass eine gesetzliche Rente immer den Lebenshaltungskosten entspricht! Sonst zahlt nämlich niemand mehr freiwillig ein! Es müssen sich in Deutschland viele Dinge ändern!Jeder sollte die Möglichkeit haben, von seiner Rente in Deutschland gut leben zu können. Es darf bei Renten keine Klassenunterschiede mehr geben, zwischen Pensionen, Rentnern und Selbständigen. Gerade diese und kleiner Unternehmer, die Arbeitsplätze schaffen, haben das größte Risiko am Ende Ihres Lebens mit leeren Taschen da zustehen. Jeder Rentner muss wieder in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert sein, ohne dass ihm von der Rente etwas dafür gekürzt wird. Die Rente muss so hoch sein, dass dies enthalten ist. Damit sind dann auch die selbständig Tätigen in einer Versorgung. Nach dem Alter von 55 Jahren wird man in der gesetzlichen Krankenversicherung nicht mehr aufgenommen! Es müssen (Staatliche) Altenheime geschaffen werden, die ohne Luxus solchen Rentnern zur Verfügung stehen, die sich gesundheitlich oder aus anderen Gründen nicht mehr alleine helfen können und dort versorgt werden. Die Kosten hierfür müssen aus der Rente getragen werden können und keine Wucherpreise verursachen. Eine gerechte Rente könnte man dadurch finanzieren, dass alle in die Kasse einzahlen. Auch gibt es in der Politik und der Bürokratie hohe Einsparpotenziale. So könnten Parlamente verkleinert werden und Pensionen für Politiker reduziert werden. Es kann nicht sein, dass ein Herr Wulff 200.000 Euro Altersbezüge erhält und Rentner Ihre Krankenversicherung nicht bezahlen können.

Eine so geringe Rente kann auch dazu führen, dass Kinder und Enkelkinder in die finanzielle Pflicht genommen werden. Was halten Sie von dieser Umverteilung?

Frau Maier: Man darf die Kinder und Enkelkinder nicht mit den Renten belasten, diese müssen ihre eigene Vorsorge aufbauen. Man wird wieder Kapitalanlagen schaffen müssen, die „mündelsicher“ sind, ggfs. mit kleinen Banken wie im ländlichen Bereich die Genossenschaftsbanken oder auch z.B. Privatbanken, die einer Aufsicht unterliegen. Es wird ein System der Finanzierung bei mittelständischen Betrieben mittels diverser Möglichkeiten mehr Interesse finden. Dann können Leute auch ihre Gelder vernünftig anlegen, bekommen Zinsen hierfür und niemand „zockt“ wie die Großbanken. So könnten die Leute wieder auf „Altbewährtes“ zurückgreifen wie z.B. Sparen für Immobilien, verzinstes Bankguthaben und eine Mindestrente bei der gesetzlichen Altersversorgung.

Zu ihrer Zeit als Arbeitsministerin sprach Frau von der Leyen davon, dass „ganz normale fleißige Menschen aus der Mitte der Gesellschaft“ in der Altersarmut tappen. Die neue Regierung hat im Koalitionsvertrag eine Reihe von Maßnahmen, wie die Rente mit 63 oder die Mütterrente, beschlossen, welche die Altersarmut abmildern sollen. Wie bewerten Sie solche Maßnahmen?

Frau Maier: Keiner der Politiker in den Talkshow-Runden hat seriöse Vorschläge – alles ist immer im Hinblick auf die nächste Wahl werbewirksam abgestimmt. Renten und Steuern sind ein Spielball der Politik geworden! Deshalb möchte ich auch nicht auf Frau von der Leyen oder Frau Nahles eingehen. Ganz zu schweigen von der Kanzlerin, die noch im Herbst gesagt hat, dass das Rentenalter von 67 nicht angetastet wird. Und nun? Die erste Handlung der Regierung —- Absenkung auf 63 Jahre usw….. (mit allen Problemen der Durchführung die noch nicht gelöst sind) Wie im Steuerrecht auch, wo erst mal Gesetze entstehen und dann nachgebessert werden muss, weil in der Praxis nicht durchführbar. Die Rentner, die mit 63 Jahren die Rente jetzt bekommen, haben deshalb auch nicht genügend zum Leben. Was machen sie wohl? Sie werden weiter arbeiten müssen, damit sie keine Sozialhilfe-Empfänger werden. Diese neue Gesetzgebung ist eine Farce!!! Ich bin gerne bereit, mich öffentlich mit meiner Meinung zu äußern und weiß, dass nur die Öffentlichkeit etwas bewegen kann. Mein Widerspruch gegen meinen Rentenbescheid wurde abgelehnt. Der Gang zum Sozialgericht würde nichts bewirken, weil das rechnerische Werk ja richtig ist – nur die Komponenten zur mathematischen Berechnung stimmen nicht und das ist eine Sache der Regierung bzw. wir das Volk müssen uns jetzt mal wehren!

Wir danken Ihnen für ihre offenen Worte und wünschen Ihnen alles in Gute in Mauritius!

Gastautor

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5 Antworten

  1. Siegfried Breitkreuz sagt:

    Liebe Frau Maier,
    ich lebe seit 30 Jahren auf Mauritius und bin Exildeutscher mit Mauritischer Staatsangehoerigkeit. Wie Frau Sommerfled schon richtig
    festgestellt hat, kann man hier nicht als Auslaender einfach Grundstuecke erwerben, es sei denn Sie Investieren in einem IRS Projekt eine halbe Million Euro oder mehr. Man kann als Rentner – ab 55 Jahre – und mit einem Eigenkapital von 40. 000,- Dollar/Euro um eine Aufenthaltsgenehmigung ( Permit Holder ) zu bekommen nach Mauritius einwandern. In der Regel erhalten Sie dann nach Ueberpruefung Ihrer finanziellen und Moralischen Situation fuer einen Zeitraum von 5 Jahren einen permanenten Aufenthaltstitel, der dann beliebig verlaengert werden kann. Sie selbst duerfen allerdings in Mauritius keiner Arbeit nachgehen.
    Die Lebenshaltungkosten sind hier – wenn Sie den europaeischen Lebenstil beibehalten wollen – sehr hoch. Ich kann Ihnen versichern, das meine 6 Hunde mehr an Futter kosten als 120,- Euro !
    Eine kostenlose Medizinische Versorgung fuer Auslaender gibt es schon lange nicht mehr, die wurde vor mehr als 15 Jahren abgeschafft weil dies von den Touristen mehr oder weniger ausgenutzt wurde. Dieses Privileg der kostenlosen Medizinischen Versorgung haben nur Einheimische! Ansonsten ist die medizinische Versorgung vorbildlich und man kann sich mit einer gueltigen
    Krankenkassenversicherungkarte hier behandeln lassen.
    Autos sind hier teurer als in Europa, wenn Sie einen SUV haben wollen, dann sind bis zu 150% Steuern zu zahlen, dafuer bekommt man in Europa gleich zwei SUV mindestens, nicht wahr. Kleinewagen – 1.2 Liter – kosten hier um die 28.000,- Euro und sind gebraucht auch noch teuer. Fuer einen 1.2 Liter Auto fuenf Jahre alt ( nicht Werkstattgepflegt ! ) muessen auch noch ca. 12.000,- Euro auf den Tisch geblaettert werden.
    Fazit, Mauritius wird fuer viele Rentner ein leider Traum bleiben aber man soll ja nie die Hoffnung aufgeben. Ueberlegen Sie sich Ihren Schritt genau, denn was ich von Ihnen ueber Mauritius gelesen habe stimmt auf gar keinen Fall. Trotzdem wuensche ich Ihnen viel Erfolg zu ihrem Vorhaben.
    Mit den besten sonnigen Gruessen.
    Siegfried Breitkreuz

  2. Christine Sommerfeld sagt:

    Sehr geehrte Frau Maier,
    Sie haben eine Eigentumswohnung in Deutschland, das ist mehr als ich nach meiner langjährigen Berufstätigkeit (von meinem 17. bis 65. Lebensjahr) vorweisen kann. Wir wohnen in einer Mietwohnung, die wir zu zweit auch bezahlen können. Ein „Luxus“, den wir uns leisten ist eine Reise nach Mauritius pro Jahr. Wir kennen uns inzwischen auf der Insel also schon etwas aus und was ich da so von Ihnen lese, erscheint mir doch etwas sehr utopisch.
    Sie haben in eine Immobilie auf Mauritius „eingezahlt“? Das war dann sicher „illegal“ denn offiziell kann man als Ausländer zwar Immobilien erwerben – jedoch ab ca. 500.000 USD – inzwischen dürfte es mehr sein. Den Verkaufserlös von der Wohnung in Deutschland wollen Sie dann für den Bau eines Hauses auf Mauritius verwenden? Wenn die Wohnung so viel wert ist/siehe oben – Sie schreiben etwas anderes. Würde dann sicher auch für eine kleine ETW in Deutschland reichen….
    Heimflüge nach Deutschland ? Kosten so zwischen 800 Euro (Schnäppchen) und nach oben offen…
    Auf Mauritius können Sie für 120 Euro/Monat leben? Sicher, wenn man auf vieles verzichtet (große Wohnung, Klimaanlage – notwendig im Sommer -, Auto , Internet, importierte Produkte – nicht zu vergessen, Mauritius ist eine Insel und vieles muss importiert werden, das beginnt bei Milch und Butter…).
    Haben Sie dort schon einmal als Nicht-Privatpatientin in einem Hospital/Klinik längere Zeit zugebracht? Wahrscheinlich nicht. Vielleicht sollten Sie sich diesbezüglich vorher mal informieren.
    Theater- und Konzertbesuche etc. möchten Sie von den 120 Euro auch noch finanzieren. Dürfte schwierig werden, zumal es doch gewisse kulturelle Unterschiede gibt. Und um an den Ort des Geschehens zu gelangen, benötigt man in der Regel ein Auto – mal so schnell in die Tram steigen wie bei uns ist auf Mauritius nicht drin.
    Ich halte Ihre Schreiberei für ziemlich polemisch. Ich lasse mich aber gern eines Besseren belehren, sofern Sie mir konkrete Argumente liefern. Vielleicht haben Sie ja einen Geheimtipp und wir wandern auch noch auf unsere Lieblingsinsel aus.
    Beste Grüße und viel Erfolg auf Mauritius!

  3. martin jugl sagt:

    hallo , könnt ich frau maier kontaktieren
    komme grad aus Mauritius , hab dort meine liebe gefunden . möchte dort verziehen un d ein haus bauen
    mit freundl grüssen
    Martin jugl
    bin 55 jahre und im vorruhestand

    • Alexander Keller sagt:

      Sehr geehrter Herr Jugl,

      leider können wir die Kontaktdaten nicht einfach so raus geben. Wir haben Fau Maier eine E-Mail geschrieben. Diese wird sich, wenn Sie es möchte bei Ihnen melden.

      Viele Grüße
      Das Team von Wohnen-im-Alter.de

    • imomakler sagt:

      Haben sie Kontakt bekommen? Benötige ebenfalls Infos in dieser Richtung!

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