Mit Demenz zu Hause leben?

Kann ein demenziell Erkrankter in der Häuslichkeit verbleiben oder sollte er nicht in eine spezialisierte Pflegeeinrichtung, die sich auf die Betreuung von Demenzkranken spezialisiert hat? Oftmals entstehen hier für Angehörige von demenziell Erkrankten nicht zu unterschätzende Gewissenskonflikte. Viele von ihnen sind verunsichert, aufgrund der vielfältigen Symptome einer Demenz, die je nach Schweregrad der Erkrankung bis hin zu einem völligen Verlust kognitiver Leistungen und grundlegender motorischer Abläufe führen kann. Vor allem im fortgeschrittenen Stadium einer Demenz empfinden pflegende Angehörige die häusliche Situation oftmals belastend. Trotz aller Schwierigkeiten und Unsicherheiten wird der Großteil der Erkrankten in unserem Lande zu Hause von Privatpersonen und professionellen Dienstleistern versorgt.

Dieses liegt im Sinne der Sozialversicherungsträger, die betonen, dass die häusliche Versorgung erkrankter Menschen, der stationären Unterbringung vorgezogen werden sollte. Ein Verbleib von Demenzkranken in der Häuslichkeit wird somit auch gewünscht und ist vor allem bei einem leichten bis mittelschweren Krankheitsverlauf durchaus realisierbar.
Damit die Betreuung und Pflege des Erkrankten zu Hause für alle Beteiligten gut umsetzbar ist, sollte über eine sinnvolle Gestaltung des Wohnumfeldes des Erkrankten nachgedacht werden. Hierbei sollten die verschiedenen Symptome der Demenzerkrankung berücksichtigt werden. Durch die erheblichen kognitiven Einschränkungen bei einer Demenz sind vor allem die Sinneswahrnehmungen gestört. Mit Hilfe einer geschickt gewählten Gestaltung des Wohnumfeldes kann man dazu beitragen, dass sich der Demenzkranke in den Räumlichkeiten orientieren und auch zur Ruhe kommen kann.

Gestaltung der Wohnumgebung bei Demenz

Die Lichtintensität in den Wohnräumen sollte auf über 1500 Lux erhöht werden. Mit Hilfe gut ausgeleuchteter Räumlichkeiten wird die Farb- und Kontrastwahrnehmung des demenziell Erkrankten unterstützt, da diese erheblich beeinträchtigt sein können. Insbesondere der Fußbodenbereich sollte hell ausgeleuchtet sein, um Hindernisse rechtzeitig erkennen zu können. Spiegelungen sollten vermieden werden. Mit Hilfe von indirekten Lichtquellen lässt sich eine gleichmäßige Ausleuchtung von Räumlichkeiten ermöglichen. Solche Maßnahmen reduzieren das Risiko von Stürzen und dienen der besseren Orientierung. Generell dient Licht aber auch als Zeit- und Taktgeber für den Tagesverlauf. Da Demenzkranke oftmals das Gefühl für die verschiedenen Tageszeiten verloren haben. So sollte die Lichtzufuhr dem Tagesablauf angepasst sein und in allen Räumlichkeiten wenn möglich verfügbar sein. Zu den Abendstunden hin signalisiert der Einsatz von künstlichem Licht, dass der Tag sich dem Ende neigt und die Schlafenszeit bevorsteht.

Farbgestaltung und Akustik der Wohnung

Auch die Farbgestaltung in der Wohnung kann der räumlichen Orientierung des Erkrankten dienen. Gezielt gewählte farbige Flächen, Piktogramme oder Bilder ermöglichen ein Auffinden von bestimmten Funktionsräumen (z.B. die Küche in Verbindung mit einem Bild an der Küchentür, welches Lebensmittel zeigt oder das Badezimmer, dessen Tür in einem dezenten Blau gestrichen ist). Es bieten sich warme Farbtöne an, denn mitunter können Farben bestimmte Emotionen auslösen. Es gilt das Motto „Weniger ist mehr“. Geschickt platzierte Bilder und Farbflächen bringen dem Erkrankten mehr Sicherheit und Wohlbefinden als eine rundum bunte Wohnumgebung. So kann eine beschreibbare Tafel an der Haustür helfen, wenn es um die Orientierung bezüglich des Wochentages, Monats oder der Jahreszeit geht. Persönliche Bilder, die dem Betroffenen schon immer gefallen haben regen dazu an biographische Themen im Gespräch aufzuarbeiten. Neben optischen Gestaltungsmöglichkeiten ist auch die Akustik innerhalb der Wohnräume ein wichtiger Faktor, der bestimmte Reaktionen beim Erkrankten hervorrufen kann. Eine Reizüberflutung durch Lärm oder eine dauerhafte akustische „Berieselung“ beispielsweise durch ein Radio sollten unbedingt vermieden werden. Demenziell erkrankten Menschen ist die Fähigkeit verloren gegangen Geräusche richtig zu deuten. Ängste und eine stetige Unruhe können als Folge auftreten. Hingegen können gezielt eingesetzte Töne und Klänge zur Entspannung beitragen und einen Zugang zum Betroffenen bieten, wenn dieser auf jegliche andere Formen der Kommunikation nicht mehr reagiert.

Technische Assistenzsysteme für Demenzkranke

Alle raumgestalterischen Maßnahmen zeigen, dass man mit ein wenig Kreativität und Offenheit ein für den Erkrankten angenehmes Wohnumfeld schaffen kann. Es gibt natürlich auch noch technische Möglichkeiten, die vor allem bei alleinlebenden Demenzkranken (insbesondere im Frühstadium) zum Einsatz kommen können. Im Rahmen von technischen Assistenzsystemen (ambient assisted living) lassen sich verschiedenste Sensoren in einer Wohnung installieren. Diese registrieren beispielsweise, wenn Wasser überläuft infolge eines nicht zugedrehten Wasserhahnes (Überlaufsensoren). Auch Sensoren für eine automatische Herdabschaltung erscheinen sinnvoll und geben Sicherheit. Darüber hinaus können Sensormatten an der Haustür oder vor dem Bett helfen, ein Bewegungsprofil des alleinlebenden Erkrankten zu erstellen. Wird eine regelmäßige Aktivierung der Sensoren beispielsweise auf einer Sensormatte vor dem Bett verzeichnet kann hieraus abgeleitet werden, ob die normalen Wach- und Schlafphasen eingehalten werden oder ob der Betroffene Probleme bei der Tagesstrukturierung hat. Ebenso gibt es bereits technische Erinnerungssysteme, z.B. Medikamentendispenser, die an die Tabletteneinnahme erinnern. Der Einsatz solcher Systeme muss immer individuell durch fachkundige und professionelle Versorgungsanbieter geprüft werden. Bei aller technischen Innovation sollte man nicht vergessen, dass die Bedürfnisse des Anwenders bzw. Betroffenen im Mittelpunkt stehen und an diese sollte sich ein technisches System anpassen.

Häusliche Versorgung bei Demenz

Die aufgeführten Maßnahmen der Raumgestaltung, aber auch der Einsatz technischer Lösungen zeigen, dass ein Leben in der Häuslichkeit für den demenziell Erkrankten möglich ist. Ob im frühen Stadium einer Demenz alleinlebend oder auch mit dem Ehepartner oder anderen Bezugspersonen im fortgeschrittenen Stadium. Trotzdem bedarf es einer professionellen Begleitung der Angehörigen bei der Entscheidungsfindung, wie die häusliche Versorgung des Erkrankten gestaltet werden soll. Beratungsangebote und Hilfen insbesondere in belastenden Pflegesituationen müssen somit grundsätzlich für alle Pflegebedürftigen und deren Angehörige unbürokratisch zugänglich sein. Nur so ist es möglich die häusliche Versorgung eines an Demenz Erkrankten gemeinsam unter professioneller Anleitung zu gestalten. Pflegenden Angehörigen wird dadurch eine Chance gegeben diese schwierige Lebensaufgabe zu meistern, ohne dabei selbst zu verzweifeln.

Hilfreiche Links:
Was ist Demenz + Wo finde ich Betreuung?
Ratgeber Zuhause bei Demenz
Informationen zur Pflegestufe 0

Daniela Menzel

Diplom Gesundheitswirtin (FH), Pflegeberaterin n. § 7a SGBXI, examinierte Krankenschwester und geprüfte Beraterin für generationsgerechte Assistenzsysteme (AAL). Jahrelange Erfahrung in der stationären und häuslichen Krankenpflege sowie in beratender Funktion. Lebt mit Mann und Kindern in Braunschweig.

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1 Antwort

  1. Irene Stuber sagt:

    Bisher gibt ja leider so wenig Einrichtungen die tatsächlich Würdevoll mit der Welt des Vergessen s –
    mit an Demenz erkrankten Menschen umgehen und die Sensibilität der Menschen verstehen .

    Valitation muss noch viel viel mehr verbreitet werden .

    Für Menschen die in würde zu Hause alt sein möchten
    bieten wir qualitativ hochwertige und verantwortungsbewusste häusliche Betreuung .

    Das zu Hause – die Heimat verlassen wollen ist doch nicht für alle das was man sich im Alter wünscht

    Irene S

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