Schamgefühl bei der Pflege

Was ist Scham und wie macht sich diese bemerkbar?

Scham kann als ein negatives und unangenehmes Gefühl beschrieben werden. Scham ist jedoch ein normales bzw. natürliches Gefühl. Diese Gefühlslage entsteht, wenn Menschen in eine peinliche Situation geraten. Es entsteht, wenn man den gängigen Werten oder Normen nicht gerecht geworden zu sein scheint. Betroffene fühlen sich entwertet, entehrt und meist lächerlich. Scham kann sich durch verschiedenste Verhaltensweisen bemerkbar machen. Anzeichen für Scham sind das Erröten, ein gesenkter Kopf oder das Bedecken des Gesichts mit den Händen. Ein weiteres Anzeichen und häufiges Auftreten ist, dass die Stimmlage oft deutlich leiser wird.

Schamgefühl in der Pflege 

Besonders in der Pflege sind Scham bzw. das Schamgefühl weit verbreitet. Nachvollziehbar, da die Pflege von Nacktheit, Intimität und den Eingriff in den persönlichen Lebensbereich geprägt ist. Oft ist die Pflege nah an der Würde des Menschen. Die Parteien sollten offen und ehrlich miteinander kommunizieren. Was wird als angenehm empfunden und was nicht? Welche Unterstützung wird akzeptiert und welche eher weniger? Es sollte eine würdevolle Pflege beherzigt werden. Es gilt, eine Demütigung zu vermeiden. Eine Demütigung ist ein „Angriff“ auf die individuelle Würde. Auch ohne aktive Handlungen kann es zu einer Verletzung der Würde kommen, wenn eine sensible und angemessene Umgangsform fortbleibt.

Der richtige Umgang mit Scham

Beim Umgang mit Scham in der Pflege gibt es etliche Einzelheiten, die es zu berücksichtigen gilt. Wichtig ist die richtige Kommunikation. Es sollte auf eine auflockernde und vertrauensvolle Gesprächsführung geachtet werden. So kann eine positive Beziehungsebene realisiert und der persönliche Bezug gestärkt werden. Auch individuelle Wünsche, die durch ein Gespräch hervorgehen könnten, sollten bestmöglich berücksichtigt werden. Dies kann dem Schamgefühl entgegenwirken und das Selbstwertgefühl steigern. Es sollte sich in die Situation des Pflegebedürftigen versetzt werden, um die Situation nicht zu verharmlosen.

Eine passende Wortwahl sollte befolgt werden. Dabei sollte auf freundliche, verständnisvolle, einfühlsame und positive Worte gesetzt werden. Die Gestik und Mimik darf nicht vernachlässigt werden. Denn eine nonverbale Kommunikation kann viel über die Glaubwürdigkeit verraten und stützt das verbal Geäußerte. 

Die zu pflegende Person kann aktiv in den Prozess der Pflege eingebunden werden. Dadurch fühlt sich die zu pflegendende Person nicht machtlos bzw. ungeschützt. Die Durchführung der Pflege sollte bedacht sein. Beim Waschen, beim Toilettengang oder beim An- und Auskleiden wird stark in die Intimität eingegriffen. Um die Nacktheit beim Waschen in Grenzen zu halten, kann nur der zu waschende Teil des Körpers entblößt werden. So wird eine komplette Nacktheit vermieden und das Wohlbefinden gesteigert. Bei jedem Pflegevorgang ist es empfehlenswert, das Vorhaben anzukündigen. 

 

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